Pro/Contra-Erörterung zum Thema Digitalisierung

25. Februar 2015 von Manager

Heute kommt der Blogbeitrag von Paul Schmieder. Herr Schmieder’s Sohn hat sich, im Rahmen einer Hausaufgabe, ausführlich mit Thema Digitalisierung und die damit verbundenen Vor- und Nachteile beschäftigt und dazu Stellung genommen. Eine sehr interessante Stellungsnahme aus der Sicht der neuen Generation, aber lest selbt:

Immer wieder diskutiert, hart umstritten. Computer bzw. Laptop an den Schulen. Oder allgemein formuliert – Digitalisierung der Schulen bzw. in den Schulen. Aktuell wird es in Deutschland größtenteils so gehandhabt, dass der Lehrer seine Folien für den Unterricht zu Hause vorbereiten, in der Schule dann auflegt und die Schüler mit Papier und Stift alles übertragen. So werden deutschlandweit wöchentlich zirka 30 000 Tonnen Holz für alle das Papier, was jene, aktuell 11 Millionen Schüler so verbrauchen, benötigt. Visionäre schlagen schon seit längerem eine weitreichende Einführung von Laptops für jeden Schüler vor, welcher darüber seinen (kompletten) Schulalltag organisieren und verwalten kann, was den aktuell extrem hohen Papierverbrauch größtenteils verringern würde, zumindest den der Schulen. Kritiker halten dagegen und bringen ebenso Argumente, für sie stehen Kosten, Aufwand und Sicherheit im Vordergrund. Was letztlich mehr Sinn macht möchte ich im folgenden erörtern.

Ein Argument gegen die Digitalisierung der Schulen ist die geringe Datensicherheit, da Daten nur virtuell, an maximal zwei Standorten gesichert sind und so, durch beispielweise Hackerangriffe oder Systemabstürze komplette Datensätze verloren gehen können, welche im Ernstfall auch nicht mehr wiederherzustellen sind.
Hier gegen wiederrum spricht das Argument, dass man durch die Digitalisierung des Unterrichts bzw. des Unterrichtsstoffes viel mehr Möglichkeiten des Backups offengelegt bekommt, da bei passender Konfiguration und Organisation die Daten beispielsweise einfach über Nacht automatisch in eine sogenannte “Cloud”gesichert werden können, sodass sie letztendlich an bis zu 3 verschiedenen, unabhängigen Standorten liegen und bei Verlust durch eventuelle Systemabstürze leichter wiederhergestellt werden können.
Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass die Schüler durch die relativ hohe, potenzielle Nutzung technischer Geräte, vorallem als Schreibobjekt, schnell dazu neigen können, die Fähigkeit des “per-Hand-Schreibens” zu vernachlässigen oder gar komplett zu verlernen. Wenn ein Schüler nach wochenlanger PC-Arbeit dann mal wieder einen Brief an seine Großmutter schreiben will, sieht dieser höchstwahrscheinlich eher unschön und unleserlich aus und der Schüler benötigt erstmal mehrere Anläufe um ihn überhaupt abschicken zu können.
Trotzdem sollte man auch hierbei unsere Umwelt nicht aus den Augen lassen. Allein durch den Papierverbrauch an unserer Schule, werden wöchentlich knapp 30 000 DIN-A4-Blätter benötigt, wofür etliche Bäume gefällt werden, riesige Mengen Wasser verbraucht werden und einiges an Chemie eingesetzt wird. Hinzu kommt der emense Verbrauch an Kreiden, Folien und Stiften. Eine Umstellung auf eine digitale Schreibmethode benötigt lediglich Speicherplatz, welcher heutzutage aber verhältnismäßig überdurchschnittlich billig ist.
Bleibt noch der Einwand, dass man durch zu hohen Konsum bestimmter Medien schnell abhängig werden kann, da man bei durchschnittlichen, täglichen 8 Stunden Technikkonsumes schnell die Abwechslung verliert und so leicht in eine eventuell „schiefe Bahn“ geraten kann. Gerade bei Laptops/Tablets werden dem Konsumenten einfach viel zu weitreichende Unterhaltungsmöglichkeiten geboten, in denen man sich schnell verlieren kann. Stellt man sich einen Schüler mit Laptop vor, der im Matheunterricht eigentlich die Binomischen Formeln lernen sollte, sich stattdessen aber lieber mit den aktuellen Sportergebnissen befasst, gibt das kein schönes Bild.
Dem jedoch steht die Einsicht gegenüber, dass man sich durch eine weitreichende Einführung technischer Geräte und allgemein, technischer Möglichkeiten definitiv eine höhere Flexibilität, vorallem seitens der Lehrer, verschafft. Der Lehrer kann den Unterricht leichter führen, schneller Arbeitsmaterialien an die Schüler „übergeben“ und hat weniger Aufwand beim Vorbereiten seines Unterrichts zuhause. Er kann „Tafelaufschriebe“einfach und zahllos bearbeiten, ohne schmutzige Hände zu bekommen und kann Sicherheit gewähren, dass jeder Schüler seine Schrift auch lesen kann.

Dahingegen ist ein anderes Argument aber noch viel wichtiger – die extrem hohen Anschaffungs-, Konfigurations, und Wartungskosten der gesamten Idee. Problem hierbei ist, dass die Schule für bis zu 1000 Laptops/Tablets gleichzeitig Geld aufbringen muss. Zudem müssen genügend Gelder für die Planung des ganzen System, des Versandes und der Zustellung der Geräte und die regelmäßige Überwachung und Wartung aufgebracht werden können. Das kann schnell ins Geld gehen, für alle.

Im Übrigen gibt es aber wohl keinen Zweifel daran, dass solch‘ Anschaffung weitreichend dazu verhelfen würde einen Schulalltag zu vereinfachen, sowohl für Schüler als auch für Lehrer. Vorallem der Schüler erspart sich einiges an halblebigen Aufschrieben, sinnlosem Nachgefrage nach dem letzten Tafelaufschrieb, während er beim Arzt im Wartezimmer saß und hat letztlich Hausaufgabenheft, Klassenarbeitsplaner, Übungsheft und Regelheft in einem, kann so strukturierte, saubere und übersichtliche Aufschriebe führen und dem Unterricht leichter folgen, auch wenn er physisch mal nicht anwesend war. Er braucht keine 5-10 Bücher + Hefte täglich sondern hat seinen beinahe gesamtes Schliesfach in einem. Er weiß immer genau was er zu tun hat & kann sein Material praktisch nie vergessen.

Meiner Meinung nach sollte man sich über solch‘ Idee bzw. Forderung wirklich Gedanken machen und darüber debattieren lassen (letztendlich natürlich auch umsetzen). Durch eine derartige Anschaffung ließe sich zum einen so einiges an Zeit/Geld und Recourcen sparen, andererseits könnte man so des Schülers, als auch des Lehrers, ohnehin schon harten, täglichen Kämpfens, um ein vielfaches erleichtern, auch wenn manch‘ Lehrer das wohl eher bezweifeln mag. Eine Idee deresgleichen sehe ich als langfristige, zukunftsoriente Investition, in der auf jeden Fall einiges an Potential steckt, welches dringend genutzt werden sollte. Durch die Digitalisierung der Schulbücher und Hefte, die ein Schüler (/Lehrer) normalerweise mit sich herumtragen muss, erspart man sich körperlich einiges, kann zielgerechter und konzentrierter Lernen und seinen Alltag, vorallem seinen Schulalltag deutlich simpler organisieren, da man schlichtweg alles in einem hat. Man kann den Unterricht vielseitiger und zielgerichteter machen und so auch mal neue Perspektiven kennenlernen. Dem Schüler kann nichts verloren gehen und seine Probleme halten sich in Grenzen, sollte er mal einen Tag nicht am Unterricht teilgenommen haben können. Andererseits darf man hierbei auch nicht die damit verbundenen Risiken und eventuellen Problemstellungen aus den Augen lassen. Um solch‘ Anschaffung erst einmal ermöglichen zu können, bräuchte man ein hohes, verfügbares Kapital, einiges an Aufwand und letztendlich einen systematisierten, sachgerechten Umgang mit den Geräten. Zudem besteht durch den daraus resultierenden, erhöhten Medienkonsum ein expandierteres Suchtpotential, was man ebenfalls nicht unterschätzen darf. Deshalb mein Vorschlag: Eine Einführung Laptops für beispielweise unser allgemeinbildendes Gymnasium ab der achten Klasse, bei dem jeder Schüler einen, von der Schule bereitgestellten Laptop für Fächer wie bsp. Deutsch,Englisch,Gemeinschaftskunde,Geschichte, usw… bekommt, welchen er dann mit Nachhause nehmen darf, auf welchem er seine Aufschriebe tätigen kann und über welchen er sich einfach und sicher mit dem Lehrer Daten austauschen kann, hinsichtlich Unterrichtsmaterial. Vorallem für Fächer, bei denen man viel schreiben und wenig „kryptografisches“ machen muss eignet sich ein solch‘ technisches Gerät deutlich mehr als irgendwelche College-Blöcke, bei denen die Linkshänder immer ihre Tinte verwischen und die Hälfte der Klasse eigentlich gar nicht mitschreibt. Für Fächer wie Pysik, Chemie oder Mathematik allerdings sollte man trotzdem noch die Möglichkeit haben, per Hand zu arbeiten. So verlernt man das schreiben nicht und erspart sich die aufwändige Eingabe diverser Formeln oder Zeichen in das Computersystem. Ich finde – Geld, welches aktuell in Kriege, Banken oder verschuldete Länder gesteckt wird, sollte zukünftig lieber für eine derartige Investition genutzt werden, um den Schülern wieder Motivation für den Schullaltag geben zu können. Deshalb bin ich klar für eine Digitalisierung der Schulen.

– Paul Schmieder

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